Eine gestörte Beziehung zu den Eltern im Erwachsenenalter

Kennen Sie folgende Situation?

“Eigentlich müsste ich meine Mutter anrufen. Es ist schon wieder eine Woche rum und ich spüre ihren stummen Vorwurf schon fast körperlich. Sie könnte sich ja eigentlich auch bei mir melden, wenn sie mich sprechen möchte, aber unser Spiel geht anders.”

In unserem Spiel hat das nun längst erwachsene Kind wenigstens einmal in der Woche die Mutter anzurufen und ihre Klagen und Vorhaltungen verständnisvoll anzuhören und mit freundlicher Zuwendung zu beantworten. Sie wissen auch schon ganz genau, wie das Gespräch beginnen wird: „Es scheint dich ja nicht sehr zu interessieren, wie es mir gerade geht!“ Ihnen ist durchaus bewusst, wie Unrecht sie hat, aber doch packen Sie gleich wieder Schuldgefühle und Sie stammeln eine Entschuldigung und schieben eine Ausrede hinterher.

Wenn Ihnen solche Situationen oder Telefonate bekannt vorkommen, sind Sie damit längst nicht so allein, wie Sie vielleicht vermuten mögen. Der Mutter-Tochter-Konflikt ist ein besonders häufiger Konflikt im Erwachsenenalter.

Was sind die Anzeichen einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung?

Die Anzeichen einer solch gestörten Eltern-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter sind vielfältig. Hier nenne ich Ihnen mögliche

  1. Emotionale Erpressung und Manipulation: Eltern setzen Ihre erwachsenen Kinder unter Druck, um ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Sätze wie:
    “Du musst dich nicht um mich kümmern, ich bin ja schließlich nur deine Mutter.” oder
    “Deinetwegen habe ich auf so vieles verzichtet.” oder
    “Du machst mich noch ganz krank mit deinem Verhalten”
    sollen Schuldgefühle wecken
  2. Sie fühlen sich im Umgang mit Ihren Eltern oder einem Elternteil immer gestresst und unter Druck
  3. Sie fühlen sich unfrei und sind immer auf der Hut
  4. Sie haben immer wieder Angst Entscheidungen zu treffen, die von Ihren Eltern missbilligt werden könnten. (falscher Partner, falscher Beruf, Umzug in eine andere Stadt).

Solch eine gestörte Mutter-Sohn-, oder Vater-Tochter-Beziehung ist in vielen Familien eine belastende Tatsache, die Viele ertragen, ohne einen wirklich einen guten Weg zu finden, die Beziehung versöhnlich zu gestalten oder gar zu heilen. Das Sprechen darüber fällt vielen Betroffenen schwer, denn der Status von Eltern und besonders der der Mutter ist in unserer Kultur heilig.

Wie kann man emotionaler Erpressung begegnen?

Wer einen extrem manipulativen Umgangs- und Kommunikationsstil von seiner Mutter oder seinem Vater kennt, ahnt vielleicht, dass an diesem zunächst nicht sehr viel zu ändern ist. Aber wie soll man das Familienleben und den Umgang mit seinen Eltern unter diesen Voraussetzungen gestalten? Wie gelingt es, Frieden mit den Eltern zu schließen ?

Bei belasteten Eltern-Kind-Beziehungen leiden oft beide Seiten. Daher ist es notwendig den Teufelskreis zu durchbrechen, damit ein gesunder Umgang entstehen kann. Hier einige erste Anregungen:

  1. Selbstvertrauen stärken: Da sich in einer toxischen Eltern-Kind-Beziehung ein ungleiches Machtverhältnis etabliert hat, gilt es das Selbstvertrauen zu stärken und das Selbstwertgefühl zu entwickeln. Das ist oft ohne Hilfe von außen nicht möglich.
  2. Feedback geben: Dem anmaßenden Elternteil ehrlich zu sagen, was die unfairen Äußerungen bei Ihnen auslösen, kann auch ein Schritt in einen Kommunikation auf Augenhöhe sein.
  3. Grenzen setzen: Für sich zu definieren, an welcher Stelle die rote Linie überschritten wird, schafft oft für einen selbst Klarheit.
    Solche Grenzen könnten sein:
    – Ich schalte nachts mein Telefon aus, um keine Anrufe zu erhalten, die auch bis zum nächsten Tag Zeit hätten.
    – Ich werde mit meinem Partner oder meiner Partnerin keinen geplanten Urlaub stornieren, weil meine Mutter wieder mal 2 Tage zuvor “krank” wird.
    – Ich sage “Nein”, wenn mich mein Vater mit ständig neuen Forderungen überhäuft.

Wenn erwachsene Kinder ihre Eltern meiden, ist es höchste Zeit, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wer einmal eine Auszeit von seinen Eltern oder einem Elternteil genommen hat, weiß, dass man dadurch im negativen Sinne noch stärker an die Eltern gebunden ist. Die unschöne belastende Situation schleicht sich ständig in die eigenen Gedanken ein und bleibt mit einem mulmigen Bauchgefühl immer präsent.

Vielleicht ist es hilfreich für Sie, im Rahmen einer psychologischen Beratung nach neuen Möglichkeiten eines für Sie befriedigenden Umgangs mit den Eltern zu suchen.

Nehmen Sie Kontakt auf und schreiben Sie, wie ich Ihnen helfen kann!

Weitere Problem Themen

Siehe auch: Psychologische Beratung

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